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Beercycling

beer1 Das Roskilde Festival macht Bier aus Pisse What would Jesus do? Er machte Wein aus Wasser und die Dänen tun es ihm nach. Beercycling heißt das Zauberwort. Das Roskilde-Festival in Dänemark will aus dem Urin der Festivalbesucher Bier herstellen.

Blasendruck auf Festivals: eine echte Nahtoderfahrung. Wer schon mal auf einem Festival mitten im besten Part seiner Lieblingsband überlegt hat, ob das mit dem in die Flasche pullern nicht doch eine Alternative wäre, der kennt das. Jedes Jahr wird auf Festivals hektoliterweise Urin produziert. Dass man damit auch etwas sinnvolles anfangen kann, hat jetzt das Roskilde-Festival in Dänemark bewiesen.

#frompisstopilsner. So heißt laut dem Guardian die Kampagne mit der die Dänen die im Urin enthaltene Gerste nutzen wollen, um damit Pflanzen zu düngen. Wenn man die nämlich aus dem Pipi rausfiltert und nicht einfach so in die Natur entlässt, kann man damit etwas richtig sinnvolles anfangen. Das Ganze ist nicht nur gut für die Geruchssituation auf Festivals, sondern auch für die Umwelt. Wildschiffen verursacht jedes Jahr einen immensen Schaden an der Natur, gerade auf Festivals, wo die Konfirmandenbläschen auch mal zuhauf drücken können.

Quelle: BR Puls Bild: Pixabay

Resteboxen sollen Verschwendung von Essen stoppen

CIMG3824In Restaurants, Kantinen oder auf dem Volksfest - jährlich werden 23,6 Kilogramm Essen pro Gast weggeworfen. Mit der Aktion «Restlos genießen» will das Bundesernährungsministerium zusammen mit der Initiative «greentable» jetzt etwas gegen die Verschwendung unternehmen. Zunächst werden bundesweit 15 000 kompostierbare Reste-Boxen kostenfrei in Restaurants verteilt, kündigte die Parlamentarische Staatssekretärin Maria Flachsbarth in Hamburg an. Die Restaurants sollen künftig ihren Gästen aktiv anbieten, Reste einzupacken, sagte Marcus Ramster von «greentable». Und die Gäste sollen ermutigt werden, im Lokal nach dieser Möglichkeit zu fragen. Das Hamburger «Landhaus Scherrer», ein Gourmet-Haus an der Elbchaussee, ist das erste Restaurant, das die Boxen anbietet. Sternekoch und Hausherr Heinz O. Wehmann versteht sich als Wegbereiter der Nachhaltigkeit. «Die Reste-Box ist für uns nur der letzte Schritt». Schon vorher könne jedes Restaurant viel gegen die Verschwendung tun. «Wir werfen nichts weg.» Zum Beispiel? Aus einem ganzen Filet werde ein Medaillon, ein Filetgeschnetzeltes und ein Ragout. «Dazu gehört aber Fachwissen.» Die «greentable»-Gründer Matthias Tritsch und Marcus Ramster hoffen darauf, einen Mentalitätswandel anzustoßen. 1000 Restaurants in Hamburg hatten sie schon gefragt, nur eins wollte mitmachen, räumte Tritsch ein. Auch Flachsbarth befürchtet: «Wir müssen sicherlich dicke Bretter bohren.» Es gehe um die Wertschätzung für Lebensmittel. Die Reste-Boxen stammen von einem Hersteller in den Niederlanden. «Sie sind in der Kompostieranlage in acht Wochen verrottet», sagte Wolfgang Thole vom Unternehmen «biofutura». Die Aktion «Restlos genießen» ist Teil des Projekts «Zu gut für die Tonne» beim Bundesministerium. Dafür steht jährlich knapp eine Million Euro zur Verfügung.

In 2015 braucht jeder eine Biotonne

compostDie Deutschen sollen Obst- und Gemüsereste nicht mehr im Hausmüll entsorgen. Ab Januar gilt eine Sortierpflicht. Die Kosten für die getrennte Entsorgung werden wohl auf die Verbraucher abgewälzt. Es suppt. Es stinkt. Also lieber gleich ab damit in den Hausmüll. Bananen- und Möhrenschalen, vergammelte Tomaten und Essensreste separat zu sammeln ist oft beschwerlich. Aber ab 1. Januar gilt eine bundesweite Pflicht zum getrennten Sammeln von Bioabfällen. Hersteller kompostierbarer Beutel wittern ein großes Geschäft, um Millionen Verbrauchern das Sammeln zu erleichtern. Das 2012 in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht vor, dass Bioabfälle "spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln" sind. Laut Bundesumweltministerium haben 340 der etwa 400 Stadt- und Landkreise schon eine Biotonne eingeführt, aber mehrere Millionen Bürger in Deutschland haben noch keine Tonne oder anderweitige Optionen, um getrennt gesammelte Bioabfälle zu entsorgen. Zuständig sind die kommunalen Entsorger – die Länder müssen die Einhaltung des Gesetzes überwachen und notfalls einschreiten. Was soll die Vorgabe bringen? Da ist zum einen die Energiewende – Biomüll lässt sich zur Energieerzeugung in Biogasanlagen verwenden. Das kann auch den hohen Maisanteil mit all den negativen ökologischen Auswirkungen von Maismonokulturen etwas dämpfen. Millionen Tonnen Bioabfälle im Hausmüll Und Bioabfälle können als Dünge- oder Bodenverbesserungsmittel in der Landwirtschaft genutzt werden – und so herkömmlichen Dünger und Torf ersetzen. "Jeder Einzelne kann hier durch Mülltrennen einen Beitrag leisten", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). "Aus Resten entstehen neue Möglichkeiten zur Nährstoff- und Energiegewinnung." Für den Absatz von Ökobeuteln ist eigens ein Lobbyverband gegründet worden. "Das Marktpotenzial von Bioabfallbeuteln würden wir grob geschätzt auf ungefähr 150 Millionen Beutel pro Jahr in Deutschland beziffern", sagt Katharina Hinse vom Verbund kompostierbare Produkte. Entscheidend ist für eine Zulassung die EU-Norm EN 13432. Sie legt fest, wie weit Beutel sich zersetzen und kompostierbar sein müssen. "Zurzeit befinden sich noch rund fünf Millionen Tonnen Bioabfälle im Hausmüll", meint Hinse. Und diese würden dann in der Regel in einer Müllverbrennungsanlage landen. "Bioabfallbeutel können dazu beitragen, dass mehr Bioabfälle getrennt über die Biotonne entsorgt werden." Bisher werden pro Jahr vier Millionen Tonnen Bioabfall eingesammelt. Das bedeutet, dass bisher pro Kopf in Deutschland noch über 62 Kilo an Gemüse-, Obst- und Essensresten und Gartenabfälle im normalen Müll landen könnten. Da schlummert also großes Potenzial. Zweifel an der Kompostierbarkeit der Müllbeutel Müll ist in Deutschland ein lukratives Geschäft, weil er in hohem Maße wiederverwertet wird, die Biomüll-Sammelpflicht ist der nächste Schritt. BASF hat in Ludwigshafen bereits eine Produktionsanlage mit einer Kapazität von 74.000 Tonnen kompostierbaren Kunststoffen im Jahr. In Modellversuchen, bei denen Haushalte Biobeutel ausgehändigt bekamen, wurden BASF zufolge 20 Prozent mehr Bioabfälle eingesammelt. Abfall wird zum zweiten großen Umweltproblem Aber es gibt Kritik, ob die Beutel wirklich geeignet und leicht abbaubar sind. Bestandteile sind biologisch abbaubarer Polyester, gemischt mit Maisstärke, Zellulose und Polymilchsäure. Hinse betont, bei Tests seien die Beutel nach "zwei Wochen Rotte nachweislich abgebaut" gewesen. Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe sieht das in der Praxis etwas anders. "Die Temperaturen von über 60 Grad und 90 Prozent Luftfeuchte schaffen viele Kompostanlagen gar nicht, sodass sie im Ergebnis Plastikfetzen im Kompost haben." Die Beutel könnten von Plastiktüten kaum auseinandergehalten werden. "Deshalb sortieren viele Kompostierer das gesamte Plastik noch vor dem Eingang in die Rotte heraus." Auch vor der Vergärung in Biogasanlagen müssten sie erst rausgesucht werden. Fischers Tipp: "Einen verschließbaren Bioabfalleimer mit Zeitungspapier auslegen." Eine andere Frage ist, ob Bürgern nun Gebührensteigerungen durch den neuen Aufwand drohen. Hier betonte die Bundesregierung jüngst auf eine Anfrage der Grünen, dass dies nicht ausgeschlossen werden kann. "Bei extrem dünn besiedelten Regionen können sich möglicherweise überproportionale Kosten- und Abfallgebührensteigerungen ergeben", hieß es. Das Bundesumweltministerium betont, dass mit entsprechender Öffentlichkeitsarbeit eine gute Qualität getrennt gesammelter Bioabfälle zu erreichen sei – "Fehlwürfe" sollen vermieden werden. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE), der die privaten Entsorger vertritt, kritisierte zuletzt eine zu schleppende Umsetzung der Sammelpflicht. "Private Unternehmen sind gerne bereit, die notwendigen Investitionen zu tätigen, um eine Getrenntsammlung und Bioabfallverwertung zu realisieren", rührte Präsident Peter Kurth die Trommel für seine Unternehmen, um die Bioabfälle einzusammeln. Quelle: Die Welt (Von Georg Ismar) Bild: Bio Futura B.V.  

EU-Staaten begrenzen Verbrauch von Plastiktüten

Brüssel - Sie werden gekauft, meist nur einmal benutzt und dann weggeworfen: Plastiktüten gehören zu den größten Umweltproblemen der Industrieländer. Jetzt ergreift die EU Gegenmaßnahmen: Die Botschafter der 28 Mitgliedstaaten haben am Freitag in Brüssel geschlossen für das Vorhaben gestimmt, den Plastiktüten-Verbrauch zu begrenzen. Damit hat der zuvor ausgehandelte Kompromiss die letzte wichtige Hürde genommen. Die Staaten sollen nun entweder Gebühren oder Steuern auf die Beutel erheben oder konkrete Ziele zur Verminderung beschließen. Auch Verbote wären möglich. Europaweit soll der Jahresverbrauch leichter Plastiktüten schon bis 2019 um mehr als die Hälfte zurückgehen, von derzeit 200 auf 90 Tüten pro Kopf. Im Jahr 2025 sollen es dann nur noch 40 Stück sein. Alternativ könnten die Länder Plastiktüten verpflichtend mit einem Preis belegen. Das Ziel soll für jedes Land einzeln gelten. Iren am sparsamsten, Deutschland im Mittelfeld oceanpollutionEs geht dabei um die ganz normale Plastiktüte, die der Verbraucher an der Kasse erhält, sei es im Supermarkt, in der Modeboutique oder im Kaufhaus. Ausgenommen sind dünnwandige Tüten, in die etwa Frischfleisch, Wurst, Fisch oder auch Obst verpackt werden. Diese Ausnahme wird vor allem damit begründet, dass ein Verbot noch schädlichere Verpackungen wie Schalen aus Schaumstoff fördern könnte. Auch extrastarke Kunststofftaschen fallen nicht unter die Regelung. Zum Teil kosten Plastiktüten zwar heute schon geringe Centbeträge, vielerorts werden sie aber noch gratis abgegeben. Der Verbrauch ist von Land zu Land extrem unterschiedlich. Im Jahr 2010 hat laut einer Statistik des Europaparlaments jeder EU-Bürger im Durchschnitt 200 Tüten verbraucht. Am sparsamsten sind die Iren: Sie benötigen im Schnitt nur 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. Die Deutschen liegen im Mittelfeld, sie benutzen im Mittel 71 Tüten, davon 64 Einwegtaschen. In Dänemark und Finnland nutzen die Menschen 79 beziehungsweise 77 Tüten, davon nur vier Einwegtaschen. Die größten Verschwender sind Polen und Portugiesen, die insgesamt fast 500 Tüten pro Kopf und Jahr verbrauchen. Für die Umwelt ist das ein schweres Erbe. Plastiktaschen können nach Ansicht von Experten bis zu 450 Jahre fortbestehen. Kunststoff bildet nicht nur gigantische Müllteppiche auf dem Meer, sondern löst sich häufig auch in mikroskopisch kleine Teilchen auf, die dann Pflanzen und Tiere gefährden. Vögel und Fische verfangen sich in den Tüten oder fressen ungewollt ihre Reste. "In der Nordsee enthalten die Bäuche von 94 Prozent aller Vögel Plastik", heißt es in einer Information der EU-Kommission. In der Donau schwimmt mehr Plastik als Fisch, und sogar die Tiefsee ist inzwischen vermüllt. Einige kleinere Hürden müssen die Pläne zur Plastiktüten-Begrenzung nun noch nehmen. Am Montag soll der Umweltausschuss des Europaparlaments darüber abstimmen, ein Ja wird aber erwartet. Danach steht noch die formelle Annahme durch die Minister der EU-Staaten und das Plenum des Europaparlaments an. Dies alles dürfte bis zum Frühjahr geschehen. Quelle: Spiegel online Wissenschaft Bild: Pixabay

jeglichen Müll vermeiden

fennel-2617_640Vor zwei Jahren hat sich die New Yorkerin Lauren Singer dazu entschlossen jeglichen Müll zu vermeiden. Wie das funktioniert; welche Schwierigkeiten es bei Zero Waste gibt und welche Chancen daraus entstehen können hat sie in einem Artikel zusammengefasst. ‚Von Grün zu richtig Grün’ – so in etwa könnte man die Entwicklung von Lauren Singer zusammenfassen. Während ihres Studium der Umwelttechnik organisierte die überzeugte Aktivistin Proteste gegen Ölfirmen und Diskussionsveranstaltungen um beim privaten Einkauf doch immer wieder auf die kleinen, wenig umweltfreundlichen Fallen hereinzufallen, die sowohl bei den Produktverpackungen selbst als auch an der Supermarktkasse in Form von Plastik- oder Papiertüten lauern. Ihre Antwort: Zero Waste, sprich die konsequente Vermeidung jeglichen Mülls. Ein für Ungeübte durchaus aufwendiges Unterfangen heißt es doch nicht nur stets seine eigenen Einkaufstaschen bei sich zu haben und Supermarktprodukte in mitgebrachte Gläser umzufüllen sondern auch die täglichen Beauty- und Haushaltsprodukte selbst herzustellen und statt den neuesten Modefummeln zu kaufen auf Second Hand Clothing umzustellen. Aber wie heißt es so schön im Volksmund: ‚Der Mensch ist ein Gewohnheitstier’ und so resümiert die heute 23-jährige ihr seit zwei Jahren laufendes Experiment durchweg positiv. Neben deutlichen finanziellen Einsparungen und dem Wechsel zu lokal und ökologisch angebauten Lebensmitteln ohne Zusatzstoffe benennt sie eine neue Lebensqualität als wichtiges Resultat ihres Lebensstils. Mittlerweile hat sich daraus übrigens mit The Simply Co. ein kleiner Business für ein rein organisches Waschmittel ergeben. Wie Singers Zero Waste-Alltag aussieht könnt ihr auf ihrem ‚Trash is for Tossers’-Blog nachlesen. Quelle: Nachhaltigleben.de Bild: Pixabay [youtuber youtube='http://www.youtube.com/watch?v=XFpIZI0e8IA']

Frankreich will Plastiktüten verbieten

Die Franzosen verbrauchen beim Einkauf allein von Obst und Gemüse jährlich zwölf Milliarden Einweg-Plastiktüten. Die ökologischen Folgen sind verheerend. Die Regierung will das nicht länger hinnehmen und plant ein Verbot solcher Tüten. In Frankreich sollen Einweg-Plastiktüten in Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften verboten werden: Die Abgeordneten einer Parlamentskommission stimmten einer entsprechenden Vorlage der sozialistischen Regierung zu. Ab Januar 2016 sollen demnach solche Plastiktüten verboten sein, die nicht biologisch zersetzbar oder kompostierbar sind. Die Regelung zielt insbesondere auf Plastiktüten für Obst und Gemüse. In Frankreich ist bereits auf der Grundlage einer freiwilligen Vereinbarung des Handels die Zahl der Plastiktüten an den Kassen großer Supermärkte von 10,5 Milliarden im Jahr 2002 auf 700 Millionen im Jahr 2011 zurückgegangen. In der Vorlage der sozialistischen Regierung hieß es nun, dieser Weg müsse fortgesetzt werden, denn es würden pro Jahr immer noch fast fünf Milliarden Einweg-Plastiktüten an den Kassen und mehr als 12 Milliarden in den Obst- und Gemüseabteilungen des Handels verwendet. Die Regelung ist Teil eines Gesetzentwurfes, für dessen Lesung im Parlament noch kein Datum feststeht. Umweltministerin Ségolène Royal sprach mit Blick auf das geplante Verbot von "einem sehr wichtigen Schritt". Vielen sei nicht bewusst, welche Schäden die nicht biologisch abbaubaren Plastiktüten etwas durch die Verschmutzung der Meere und die Vergiftung von Fischen anrichteten. Sie verwies zudem darauf, dass im Bereich abbaubarer oder kompostierbarer Plastiktüten neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Händlerorganisationen zufolge wird das Verbot die Händler 300 Millionen Euro kosten und sich durch höhere Obst- und Gemüsepreise bemerkbar machen Quelle: N-Tv Bild: Pixabay

Zwei millionen für Pilotprojekt

Sliderimage_boom Am Anfang schien es nur eine nette Idee eines idealistischen 18-Jährigen aus den Niederlanden: Was wäre, wenn riesige Schiffe im Meer Plastik aus dem Wasser fischten und den Kunststoff dann recycelten? Schließlich ist die Verschmutzung der Ozeane durch Plastik eines der großen Umweltprobleme unserer Zeit. Seit Boyan Slat seine Idee auf einer Innovationskonferenz im Jahr 2012 vorstellte, ist er zu einer Berühmtheit im Netz geworden (wir haben hier und hier über Slat berichtet). Vergangenes Jahr machte sich der mittlerweile 20-jährige Student zu einer Segelreise auf, um Wasserproben zu nehmen und erste Einzelteile seiner Technik zu testen. Das Ergebnis der Reise war eine mehr als 500 Seiten starke Machbarkeitsstudie, die Slat im Juni vorstellte. Kurz darauf begann er das Geld für ein erstes Pilotprojekt zu sammeln: zwei Millionen Dollar sollten zusammenkommen. Geld für saubere Meere Seine Idee: Riesige Filteranlagen, die er mit seinem Projekt The Ocean Cleanup an ganz bestimmten Stellen in Atlantik, Pazifik und dem indischen Ozean installieren möchte, sollen den Plastikmüll einfangen. Dabei sollen die am Meeresboden fixierten Plattformen mit ihren riesigen Auslegern, die als gewaltige Fangarme fungieren, von den Strömungen in den riesigen Gewässern profitieren. Diese verlaufen kreisförmig, was den im Wasser treibenden Müll in die ausgebreiteten Arme der Filteranlagen hineintreibt. Quelle: Wirtschaftswoche Green Bild: The Ocean Cleanup    

Plastik aus Bananen

Die Welt ist abhängig vom Kunststoff – mit fatalen Folgen: Plastikmüll verschmutzt die Meere, ein hoher Ölpreis verteuert die Herstellung. Immerhin: An überraschenden Ideen, diese Probleme zu lösen, mangelt es nicht. Denn wer hätte gedacht, dass sich Kunststoff auch aus Bananenschalen herstellen lässt? Bei der alljährlichen Google Science Fair, einem Online-Wissenschaftswettbewerb für Schüler zwischen 13 und 18 Jahren, präsentierte eine 16-jährige Schülerin aus Istanbul, Elif Bilgin, genau dies: [Weiterlesen] In ihrem schon zwei Jahre währenden Projekt beschäftigt sie sich mit der Verwendung von Bananenschalen in der Produktion von Bio-Kunststoff. Er soll als Ersatz für das herkömmliche, Erdöl-basierte Plastik dienen. Bilgin entwickelte zum einen ein Verfahren zur Herstellung des Plastiks aus Bananenschalen. Ein mögliches Einsatzgebiet: In der Isolierung von Kabeln. Auf die Idee brachte sie Plastik aus den Resten von Mangos – auch deren Stärke wird in der Kunststoffproduktion eingesetzt. banana-5734_640 Die Schülerin recherchierte, dass allein in Thailand – der Gegend aus der die Banane ursprünglich stammt – rund 200 Tonnen an Schalen pro Tag weggeworfen werden. Die Schale mache gut 30-40 Prozent einer Banane aus. Dieser Ausschuss könne wesentlich besser genutzt und weiterverwertet werden, dachte sie sich. Die Methode, die Bilgin erarbeitete, ist dabei so einfach, dass man die Experimente in einem einfach eingerichteten Labor oder auch zu Hause nachstellen kann – alles, was man braucht ist Chlorwasserstoff, Glycerin, Natronlauge und Natriumdisulfit. Manche der verwendeten Chemikalien sind zwar reizend, aber nicht extrem gefährlich. Begeistert hat das auch die Jury des mit 50.000 Dollar dotierten “Science in Action”-Preises, den Bilgin kürzlich gewann. Problem bei Bioplastik: Die Kompostierbarkeit Bisher gibt es vor allem Tüten und Folien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais-, Zuckerrüben-, oder Kartoffelstärke. Wer aber glaubt, dass Kunststoffe auf Biomasse-Basis eine neue Erfindung sind, der irrt: Der erste industriell produzierte Kunststoff (1869) war ein Biokunststoff – Celluloid. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten auf Erdölbasis gefertigten Kunststoffe erfunden. Ob Biokunststoffe aber wirklich so umweltfreundlich wie erwartet sind, ist umstritten. Dies belegt zum Beispiel die jüngste Studie des Bundesumweltamtes über Verpackungsmaterial aus Bio-Kunststoffen. Im Jahr 2011 wurde zudem gegen Danone, Aldi und REWE Anzeige wegen irreführender Werbung erstattet. Sie bewarben ihre Joghurtbecher und Einkaufstüten aus Polymilchsäure-basierten Kunststoffen als kompostierbar. Das heißt aber noch lange nicht, dass man sie einfach auf den Komposthaufen werfen kann: Viele Biokunststoffe zerfallen nur unter ganz spezifischen Bedingungen in Wasser und Kohlendioxid. Bedingungen, wie sie nur in einigen wenigen professionellen Kompostwerken herrschen. Daher landet das Bioplastik oft – zusammen mit den herkömmlichen Stoffen – in der Verbrennungsanlage. Ob auch dem Bananen-Kunststoff von Bilgin ein ähnliches Schicksal droht, bleibt abzuwarten. Quelle: Wirtschaftswoche Bild: Pixabay

Bioplastik aus Tomatenresten

Ketchupriese Heinz und Autobauer Ford tüfteln gemeinsam an Bioplastik aus Tomatenfasern. Schilfgras im BMW, Hanf im VW und Löwenzahn im Autoreifen – die Liste der Biomaterialien, die heute schon in der Automobilindustrie verwendet werden, wird immer länger. Jetzt steigt auch der Ketchuphersteller Heinz mit ein. Gemeinsam mit dem Autobauer Ford erforscht Heinz den Einsatz von Tomaten-Resten als Rohstoff für biobasiertes Plastik. Ingenieure beider Unternehmen sehen viel Potential in Tomatenfasern, -kernen und -stängeln. Die in der Ketchupproduktion anfallenden Reststoffe könnten auch in Kabelhalterungen verwendet werden, ließ das Unternehmen mitteilen. Ziel ist es, den Einsatz der herkömmlichen Petrochemie zu reduzieren, bei der Erdgas und Erdöl zur Herstellung von Kunststoffen dienen. Ob das ausreicht, um weltweit Fahrzeuge mit Bio-Teilen auszustatten? An fehlendem Nachschub soll es jedenfalls nicht scheitern. Jährlich verarbeitet der Soßenmacher aus Pittsburgh mehr als zwei Millionen Tonnen der roten Beerenfrucht. „Wir untersuchen, ob sich dieses Nebenprodukt aus der Lebensmittelverarbeitung für Anwendungen im Automobilbau eignet“, sagt Ellen Lee von der Abteilung Plastics Research bei Ford Motor Company. „Unser Ziel ist es, ein stabiles und leichtes Material zu entwickeln, das die strengen Anforderungen in Fahrzeugen erfüllt und gleichzeitig die Umwelt entlastet.“ Mit der neuen Forschungskooperation will der Autobauer mit Sitz in Michigan seiner Nachhaltigkeitsstrategie bei der Fahrzeugfertigung Schub verleihen. Bereits vor zwei Jahren hat der weltweit fünftgrößte Autohersteller Ford Kooperationen mit verschiedenen global agierenden Firmen angestoßen. Das Ziel: einen PET-Kunststoff zu entwickeln, der zu 100 Prozent aus pflanzlichem Material besteht. Kooperationspartner sind neben Heinz auch Coca-Cola und Nike. Weitere biobasierte Produkte in Fordmodellen sind Verbundwerkstoffe aus Kokosfaser-Basis und Soja-Schaumstoffe im Sitzpolster. Ob Autobauer aus Umweltbewusstsein umdenken, bleibt dahingestellt. Denn gesetzliche Richtlinien legen fest, zu wie viel Prozent ein Auto wiederverwertbar sein muss. Ab 2015 sollen es in Europa laut EU-Maßgabe ganze 95 Prozent sein. Quelle: Laborwelt.de Bild: Pixabay

Klingt wie ein Traum?

Unsere Ozeane sind voller Plastikmüll, der in riesigen Strudeln umhertreibt und in immer kleinere Teile zerfällt. Das Plastik ist eine Gefahr für die Tierwelt und für uns. Ein 19-Jähriger hat eine Idee, wie wir das scheinbar unüberwindliche Problem lösen könnten. Und er meint es ernst. Es ist wirklich Zufall, dass Boyan Slats Hauptquartier in der DREAM Hall der TU Delft ist. Aber kein Ort könnte passender sein, steht das Akronym doch für Dream Realisation of Extremely Advanced Machines. Hier werden Träume nicht nur geträumt, sondern gebaut. Es ist laut in der riesigen Halle. Sägen kreischen, Bohrer dröhnen, Hämmer klappern, während die Studenten sich hier austoben und Maschinen bauen, die es noch nicht gibt. Slats Maschine ist aber selbst für dieses Ambiente eine Besonderheit. Sie ist 100 Kilometer groß, vier Kilometer tief und 317 Millionen Euro teuer. Die Dimension passt zur Aufgabe, soll sie doch eines der größten Probleme unserer Zeit lösen: die zunehmende Vermüllung unserer Ozeane mit Plastik. Slats sogenannter Ocean Cleanup Array ist eine gigantische Filteranlage für die Meere. Wenn sie fertig ist, besteht sie aus einer vollautomatisierten Sammelplattform, aus der v-förmig zwei lange Arme ins Wasser ragen. Jeder ist 50 Kilometer lang und besteht aus schwimmenden Segmenten. Sie halten eine mit Gewichten beschwerte Plane, die drei Meter ins Wasser ragt. Die gigantische Anordnung wird von einer ausgeklügelten Seiltechnik gespannt und am Meeresboden verankert. Das Maul des Vs ist 120 Grad weit geöffnet und exakt so ausgerichtet, dass die Meeresströmung das Wasser und mit ihm den Plastikmüll hineintreibt. Die gefangenen Partikel treiben unaufhaltsam zum Zentrum der Anlage und konzentrieren sich dort. Förderbänder und Schlammpumpen fischen sie aus dem Wasser, in einem Stahlbehälter werden sie vollautomatisch verdichtet und gespeichert, bis das Transportschiff kommt und den Müll abholt, alle 45 Tage einmal. Denn so lange dauert es nach Boyan Slats Berechnungen, bis der 3000 Kubikmeter große Speicher der Plattform wieder voll ist. Das gesammelte Plastik soll dann entweder recycelt oder in Öl umgewandelt werden. Klingt wie ein Traum? Vor knapp zwei Jahren war es das auch noch. Aber nun hält ein ziemlich müder Boyan Slat ein schweres, 528 Seiten dickes Buch in der Hand. Sein Titel: „Wie die Ozeane sich selbst reinigen können. Eine Machbarkeitsstudie“. Der Deckel ist aus buntem Kunststoff – recyceltes Plastik aus den Meeren. Slat hat mit einem Team von über einhundert Leuten ein Jahr Arbeit und zwei Millionen Euro in die Studie investiert, die zum Teil per Crowdfunding finanziert wurde. Sie soll beweisen, dass sein Traum kein Schaum ist. Rückblende: Es ist der 5. Oktober 2012. Nur wenige Meter von der DREAM Hall entfernt auf dem gewaltigen Campus der TU Delft steht ein Achtzehnjähriger auf der Bühne der Aula. Hier finden die TEDxDelft-Talks statt, die holländischen Ableger der renommierten TED-Vorträge, auf denen Visionäre ihre Ideen präsentieren. „Ideas worth spreading“ lautet der Slogan. Und Slats Idee wird sich sehr bald schon im Netz verbreiten, nachdem der Vortrag als Video erscheint. Die Geschichte nahm ihren Anfang, als er sich mit 16 Jahren im Tauchurlaub in Griechenland über die vielen Plastiktüten im Wasser ärgerte. Wie könnte man die Meere nur wieder sauber bekommen, fragte er sich. Die Idee der sich selbst reinigenden Ozeane hatte er in einem Schulprojekt, dann skizzierte er sie in einem Restaurant, klassisch auf einer Serviette. Und nun steht er hier, um sie zu präsentieren. Man sieht die großen grünen Augen kaum, die entfernt an Frodo den Hobbit erinnern. Seine Stirnhaare verdecken sie. Er hat ein weißes Hemd an, das er nicht in die Hose gesteckt hat. Dazu Puma-Schuhe. Er tritt unruhig von einem Fuß auf den anderen. „Ich war sehr aufgeregt“, erzählt Boyan Slat fast zwei Jahre später in der DREAM Hall. „Es war mein erster öffentlicher Vortrag überhaupt.“ Er beginnt ihn mit epischem Gestus und gefalteten Händen: „Once there was a stone age“, hebt er an, „...a bronze age...“, er öffnet die Hände und hebt die linke Hand. „And now we are in the middle of the plastic age.“ Und man sieht es – unsere Ozeane sind voller Plastikmüll. „Why don’t we just clean this up?“, fragt er. Slats TED-Vortrag schlug ein wie eine Bombe. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Video viral, mit bis heute 1,5 Millionen Aufrufen. Die anschließende Crowdfunding-Kampagne für die Machbarkeitsstudie sammelte 89000 Euro ein. Boyan Slat ist der Enkel des Plastikzeitalters, das nun schon seit 70 Jahren dauert. Seine Kehrseite ist der Müll, der mittlerweile überall in unseren Ozeanen schwappt. All die Einkaufstüten, PET-Flaschen, Verpackungen, die vom Winde verweht, illegal entsorgt, von Schiffen geworfen irgendwann im Meer landen und seine Bewohner gefährden. Fische, Delfine und Vögel halten den Kunststoff für Nahrung, fressen ihn, er verstopft ihre Mägen und Därme, die Tiere verenden. Die Plastikteile sind außerdem Transportmittel für gefährliche Passagiere. Mit ihnen reisen Algenblüten, Bakterien, und vor allem lagern sie Chemikalien wie PCB, DDT oder hormonell wirksame Weichmacher an. Quelle: Technology Review Bild: Pixabay
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